Das alles hier ist mir erst dieses Jahr so richtig wichtig geworden. Erst richtig klar geworden.
Es geht um das wohl Wichtigste, Schönste und Faszinierendste, das wir Menschen kennen.
Wir leben auf ihr, sind gleichzeitig Teil von ihr.
Es geht um die Erde. Unser Zuhause.
Ich sitze grad am Schreibtisch und schreibe diese Zeilen. Und ich hab Angst. Angst, dass wir es nicht schaffen, auf diese Erde aufzupassen. Ich hab fast nie Angst. Hier und jetzt aber schon.

Damit du beim Lesen Musik hast.

Die Wissenschaft.

Was genau dieser Klimawandel ist und warum er grad passiert, das wissen wir. Wissenschaftler haben Beweise und rund 98% von ihnen sind sich dabei einig.

Ich versuch euch jetzt einige Dinge zu erklären, die ich selbst auch nur von Forschern auf YouTube gelernt hab, etwas davon hat mir ein Bergführer erklärt, über anderes habe ich mit einem Koch, einem Gärtner und einem KFZ-Mechaniker gesprochen. Und so versuche ich einiges von dem vielen Zeug zu erzählen.

Der Treibhauseffekt. Davon haben meine Freunde und ich schon in der Grundschule gehört. Damals hätte ich nie gedacht, dass das für unsere Zukunft so wichtig wird.
Kurz gesagt: CO2 ist nichts Schlechtes. Ohne das Gas würde die Erde und das Leben darauf ganz anders aussehen, als wir es kennen. Dich und mich und alle, die du kennst, würde es nicht geben.
Auf unserem Planeten ist über Jahrmillionen ein Kreislauf entstanden, der unsere Erde in Sicherheit wiegt. Gleichgewicht.
Das Leben hier braucht CO2, da es dafür sorgt, dass die die Wärme der Sonne in die Atmosphäre eindringen, aber nur zu einem Teil wieder ins All zurück kann. Deshalb haben wir es hier auf unserem Zuhause warm und hell. Ohne diese zwei Eigenschaften wäre Leben nicht möglich, das habe ich bereits in der ersten Saison in meinem Gemüsegarten gelernt.
Wir bringen dieses Gleichgewicht nun durch Verbrennen von zusätzlichem CO2, das bislang nicht Teil dieses natürlichen Kreislaufes war, voll aus dem Konzept. Dieses CO2 entsteht durch Verbrennen von Kohle, Benzin, Diesel, Erdöl allgemein. Besonders auch durch Methan, das zum Beispiel meine lieben Freunde, die Kühe, ausstoßen.
Und wichtig ist nicht nur das Thema Klima. Es geht auch um Umweltverschmutzung. Um unseren Müll, mit dem wir unser Zuhause verseuchen.

Die Wissenschaft zeigt, dass wir vieles verhindern können, wenn wir früh genug handeln. Wenn wir zu spät dran sind, gelangen wir in eine Spirale, in der es immer wärmer wird und wir nichts mehr tun können, die darauf folgenden Veränderungen aufzuhalten. Und diese Veränderungen passieren nicht erst, wenn die Temperaturen zum Beispiel um 10°C steigen, sondern schon bei wenigen Grad, 3°C zum Beispiel.

Veränderungen.

Es geht um die Versorgung mit Lebensmitteln und Wasser, zusätzlich erschwert durch die zunehmende Erdbevölkerung.

Es geht um unsere Mitbewohner. Auch Lebewesen. Insekten, Fische, Tierarten, die zum Beispiel in Eisregionen leben. Es geht um Pflanzen, die Vegetation und somit auch irgendwie um die Existenz der Bauern.

Es geht um Millionen von Flüchtlingen, die vor Dürre, Hunger und Durst, Umweltkatastrophen und Überflutungen – Klima – fliehen könnten. Wohin würden all diese Menschen gehen? Gäbe es Bürgerkriege?

Es geht aber nicht nur um unser großes Zuhause, die Erde, sondern auch um das kleine Fleckchen Südtirol. Gletscher werden schmelzen, durch Permafrost werden Berge gesprengt und fallen zusammen, Naturkatastrophen. Die Baumgrenze verschiebt sich nach oben, vielleicht wird es in den Tälern zu heiß, um dort zu wohnen. Vielleicht wird es durch Aussetzen des Golfstroms aber auch wahnsinnig kalt in Südtirol werden. Trinkwasser in der Qualität, in der wir es heute haben, könnte Geschichte werden.

 

 

All das sagen Wissenschaftler. Das sind Menschen, die sich bestens mit den Prozessen und Abläufen dieser Natur auskennen.

Wir haben jetzt schon weltweit Veränderungen. Ernteausfälle in Deutschland. Inseln, die langsam im Meer verschwinden. In Südtirol gibt es irgendwie keinen richtigen Frühling mehr, das Wetter spielt teilweise total verrückt und die Sommer werden immer heißer.

Bis zum Schluss geht es aber nicht nur um unser Zuhause. Es geht um dich. Es geht um mich. Es geht um Mama. Es geht um Papa. Es geht um deine Kinder, deine Enkel. Es geht um uns Menschen.

Wir alle.

 

Eines verstehe ich am Ganzen echt nicht. Der Mensch handelt doch fast immer egoistisch. Warum genau jetzt nicht?

Wir Menschen sind schon so weit gekommen.

Haben Lange Züge entwickelt, die so viel Kraft aufbringen können, Menschen zu transportieren.

Fabriken, in denen Tausende von ihnen arbeiten, weil der Rest der Welt nach irgendeinem Gegenstand fragt und ihn besitzen will.

Wie wir es durch Leonardo da Vinci geschafft haben, eine Vorrichtung zu bauen, mit der wir mehrere hundert Menschen zeitgleich in die Luft befördern können.

Wir können die Erde verlassen, um das Universum zu erforschen.

 

 

Und je mehr ich über all das nachgedacht hab, desto mehr ist mir bewusst geworden, dass wir Menschen die einzige Spezies sind, die der Erde mehr schadet, als dass sie ihr nützt.

Wichtig ist nicht, den Schuldigen für all das zu suchen oder dass wir uns gegenseitig kritisieren. Wir müssen gemeinsam als Menschen dieses Problem angehen.

„We’re in this together. We’re one big band.“

 

Wichtig ist sicher eine um einiges ernsthaftere Klimapolitik als bisher. Sei es von Seiten der EU, als auch von Seiten der Staaten. Für uns hier besonders wichtig: die Politik unserer Südtiroler. Wichtig ist jetzt. Genau jetzt Umweltpolitik, die krass gut ist. Wie ein Notfallplan, ein Plan B. Politik hat viele Möglichkeiten.

Aber die Verantwortung nur auf die Politik zu schieben, ist auch nicht die richtige Lösung. Was können wir tun?

 

Was ich glaube.

Es ist der Bezug von uns Menschen zur Natur. 

 

Ich denke, das ist nicht erst seit meiner Generation so. Und wir Jugendliche und Kinder sind nicht allein schuldig dafür.

„Zuerst gehen die Jugendlichen zur Fridays-For-Future-Demo und danach laufen sie ins McDonald’s, kaufen im Supermarkt Plastikverpacktes oder hängen am Smartphone. Zum Auslachen.“ 

Ja, danke auch. Ich kann es nicht mehr hören. Warum sind viele von uns Jugendlichen so? Wer hat die denn so erzogen? Wer setzt seinem zweijährigen Sohn beim Essen im Restaurant das Tablet vor die Nase, damit er endlich still ist?

Die Jugend hat so viel Potenzial und ist mit der Kindheit die Zeit, die am meisten prägt. Erziehung ist also sowas von wichtig. Wenn nicht das Wichtigste für unsere Erde. Marie von Wurzelwerk ist derselben Meinung: 

„Deswegen ist es so wichtig, dass wir unseren Kindern zeigen, was es bedeutet, mit der Natur zu arbeiten statt gegen sie. So viele der heutigen Stadtkinder haben nie erfahren, wie es ist, durch den Wald zu streunen, Baumhäuser und Staudämme zu bauen und sich im Garten unter den Himbeersträuchern liegend den Bauch vollzuschlagen. Kinder müssen rauskommen, statt den ganzen Tag am Handy zu zocken, sie müssen echte Erlebnisse erleben, Wind und Wetter spüren und am eigenen Leib erfahren, wie unglaublich schützenswert unser Planet ist.“

 

Ist doch logisch, dass die Erde einem Menschen – egal wie alt – gleichgültig ist, wenn dieser keinen Bezug zu ihr hat. Dinge, die wir nicht kennen, interessieren uns nicht.

Aber wenn ich einmal einen Gletscher in all seiner Macht mit meinen eigenen Augen gesehen hab, dann fasziniert mich das ein Leben lang. Da bin ich mir sicher. Es tut fast etwas weh, wenn ich daran denke, dass meine Kinder das wahrscheinlich nicht mit eigenen Augen sehen werden.

Wie schön die Erde doch ist. Tiefe Nadelwälder, klare eiskalte Bergseen, spitzige Gipfel, von denen aus wir übers ganze Tal blicken können. 

Was wir verändern können.

Wir können das Umweltbewusstsein stärken. Wäre gar nicht so schwer.

Mehr Schulausflüge und Exkursionen in die Natur.

Statt dem zugepflasterten Pausenhof ein schuleigener Garten darin. Was man durch einen Garten alles lernen könnte?

Die Liebe und das Bewundern der Natur. Werte. Gefühl. Leidenschaft. 

Das Gefühl für den Kreislauf des Lebens. 

Der Wert von Lebensmitteln und die Arbeit, die dahinter steckt. Weniger Lebensmittelverschwendung.

Wie wir mit Ressourcen umgehen.

Gesundheit und Ernährung. Ich bin, was ich esse. Pestizide.

Bewussteres Einkaufen. 

Veränderung unserer Konsumgesellschaft.

Höhere Lebensqualität.

Und für ein eigenes Fach in der Schule wäre es auch schon lange an der Zeit.

Was wir tun können.

Weißt du, was ich am Geilsten am Ganzen finde?

Umweltbewusst ist gesünder für die Erde und für uns selbst.

Glaubst du etwa, dass es deinem Körper gut tut, Plastik zu essen und zu trinken? Im Wasser in Plastikflaschen löst sich Mikroplastik ab. Im Meer schwimmt Plastik. Fische essen das Zeug. Wir essen den Fisch. Mit dem Zeug.

Glaubst du, dass es dir gut tut verpestete Luft zu atmen? Heute mal leckeren Feinstaub für die Lunge und feines Gummi vom bremsenden Wagen vor dir.

Glaubst du, dass es dein Körper geil findet einen Burger zu essen, in dem ein gestresstes Huhn steckt, das mit Antibiotika vollgestopft ist?

Alles was wir für diesen Planeten tun, tun wir auch für uns. Doch was können wir tun?

 

 

Wir sind alle in der Lage, selbst zu bestimmen, was wir kaufen und essen und trinken. Und das ist eine gewaltige Macht.

In der Volkswirtschaftslehre spricht man von einem Markt, dessen Angebot sich an der Nachfrage der Konsumenten orientiert. Deshalb: wenn wir uns verändern, in dem, wo, was und wie viel wir davon kaufen, dann hat das einen Einfluss darauf, was in Zukunft mehr angeboten wird. 

Warum gibt es Supermärkte, die Orangen geschält und bereits zerstückelt in Plastikboxen packen? Weil es irgendjemand auf dieser Welt kauft. Angebot und Nachfrage.

Und vielleicht transportiert der Laster auf der Autobahn, über den wir uns gerade aufregen, grad unsere neue Uhr. Oder der Riesenfrachter, der grad die mega Aussicht aufs Meer zerstört, der unsere billige Lichterkette von China nach Europa bringt.

Wenn sich jeder von uns etwas mehr Gedanken zum eigenen Konsum macht, vielleicht regionaler einkauft und kocht, wenn wir mehr die kleinen Läden hier bei uns fördern, dann haben große Konzerne bald wieder etwas weniger Macht.

 

 

Alles wirkt immer so fern. Wir fühlen uns so unschuldig. Aber das sind wir nicht.

Wir alle sind es. Jeder von uns.

Wir haben Einfluss auf die „großen Verschmutzer“, die so oft als Schuldige angeprangert werden.

Warum gibt es so viele Rinder und Massentierhaltungsanlagen (übrigens auch bei uns in Italien)? Weil die Tiere schön anzusehen sind. Und weil Joghurt und Butter natürlich wichtig für unser Wohlbefinden ist.

Warum wird Benzin und Diesel verkauft? Weil es einfach schön ist, mit dem Sportwagen mit richtig lautem Sound durchs Dorf zu fahren.

Warum wird so viel Regenwald abgeholzt, um Ölpalmen zu pflanzen? Weil das Palmöl in unseren Kosmetikartikeln steckt. Aber wir schminken uns ja nie, duschen uns ja nur mit Wasser und Hautcreme und so Zeug brauchen wir nicht.

Warum gibt es so viel pestizidverseuchtes Gemüse, das von Spanien bis hierher transportiert wird? Weil wir leckeres unreif geerntetes Gemüse in Plastikkisten einfach lieben!

 

 

Es geht vor allem um Verzicht. Das klingt jetzt erstmal gar nicht gut.

Aber. Weniger zu besitzen bedeutet für mich, sich um weniger kümmern zu müssen, weniger Zeit dafür aufzuwenden und dadurch mehr Zeit für sich, Familie und Freunde zu haben. Ich hab für mich gelernt, dass wenn ich etwas schätze, ich es dann viel mehr genießen kann.

Warum nicht einfach mit dem leben, was wir haben? Uns gegenseitig mehr anschauen und Beachtung schenken. Machen wir das Beste aus dem, was wir bereits haben.

 

Was ich sofort tun kann.

„Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern.“

Dieses Lied haben wir so oft als Kinder in der Plauser Kirche gesungen. Und es ist doch wahr. Wir können so viel tun.

Hier eine klitzekleine Liste. Ganz einfache Gedanken.

 

Bäume pflanzen.

Weniger Flugzeug, mehr Zug.

Kurze Strecken mit dem Rad machen.

Unsere Züge und Busse nutzen.

Müll trennen wie Vorbilder.

Müll beim Wandern wieder mit Nachhause mitnehmen.

Zeitungspapier als Geschenkspapier.

Die Zigaretten in den nächsten Müll werfen.

An Silvester aufs Feuerwerk verzichten.

Das Wasser beim Zähneputzen nicht laufen lassen.

Kleidung kaufen, die kein Mikroplastik enthält.

Plastikfreien Shampoo kaufen.

So gut es geht auf Plastikverpacktes verzichten.

Flohmärkte und Second Hand nutzen.

Kleidung tauschen oder Second Hand kaufen. Ist meist billiger.

Selten Thunfisch essen.

Auf die Jause und den Kaffee aus dem Automaten verzichten.

Beim Grillen auf Plastikgeschirr verzichten.

Zum Mitnehmen Leitungswasser aus Glas- oder Metallflasche.

Bissl mehr übers Fleisch nachdenken, das eigentlich ein Stück von einem Tier ist.

Regional und saisonal einkaufen und kochen.

Einkaufen mit einem schönen Holzkorb statt einer Papier- oder Plastiktüte.

Manchmal ist es möglich, den eigenen Beutel zum Bäcker oder die eigene Box zum Metzger mitzubringen.

Auf Strohhalme verzichten.

Elektrogeräte abschalten, anstatt sie über Nacht zu laden.

Weniger technische Geräte nutzen, weil alle Daten schließlich auf irgendwelchen Servern laden, die auch Strom verbrauchen.

Einen Garten anlegen, vielleicht sogar ein Stück davon mit einem Freund teilen. Oder dein Kind darin machen lassen und in Beziehung mit Mutter Natur kommen lassen.

 

 

 

So wahnsinnig schön.

Ich vertraue uns Menschen. Ich glaube fest daran, dass wir es schaffen.

Diese Welt ist so wahnsinnig schön. Die Erde. Ein kleines großes Wunder in diesen Milliarden von Galaxien.

All diese kleinen Dinge. Die Luft nach dem Regen. Die tausend verschiedenen Grüntöne der Pflanzen. Das Geräusch des Gewitters. Der Duft von Holz. Der Regenwurm, der aus der Erde kommt. Die Schwalbenmutter, die ihren Kindern das Fliegen beibringt. Der rote Himmel an langen Sommerabenden.

So wahnsinnig schön. Unser Zuhause.

Wonach suchst du?